„Scherkamps
Hof“ – eine Familiengeschichte
Eine Geschichte zwischen
Wahrheit und Dichtung (!) beginnt mit diesem Foto, welches vermutlich
Mitglieder der Familie Scherkamp bei der Arbeit auf dem Felde zeigt…
Es entstand im Sommer
1780 und zeigt im Vordergrund die 3 ältesten Töchter von
Johann Theodor Scherkamp: Elisabeth, Anna Maria Katharina und (stehend)
Gertrud. Im Hintergrund am Heuwagen arbeitet ihr Vater und befestigt
die Ladung. Am hinteren rechten Bildrand sehen wir die Gebäude
des „Scherkamphofes“…
Wo sich heute der Gelsenkirchener
Stadtteil Schaffrath erstreckt, lag einst die alte „Bauerschaft Hege“.
Jahrhunderte lang prägten Bauernhöfe das Landschaftsbild
– darunter auch der „Scherkamps Hof“. Im äußersten Südosten
gelegen – westlich des Schüngelberges – fand er schon seit Mitte
des 16. Jahrhunderts namentliche Erwähnung im Zusammenhang mit
dem Todesfall unseres Vorfahrens Gerd (zu) Scharpenkamp gegen Ende
des Jahres 1536.
Gepachtet durch Scherkamp
(als Kötter) von der Familie von Fürstenberg, dem letzten
Grundherrn der zur Herrlichkeit des Hauses Horst gehörenden Ländereien,
zählte der Hof mit 58 Morgen, 73 Ruten und 63 Fuß zuletzt
zur mittleren Größe. Dies entspricht einer Fläche
von ca. 400 x 365 Metern oder etwa 20 Fußballfeldern.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts
war große Freude auf dem Hof zu vernehmen, denn die aktuellen
Pächter, Hermann und Elisabeth Scherkamp, unsere direkten Vorfahren,
wurden stolze Eltern des Stammhalters und Erstgeborenen Johann.
Etwa zu dieser Zeit
beginnen erste nachvollziehbare namentliche Zuordnungen hinsichtlich
des „Gewinnbriefes“ zum „Scherkampshof“. Ein solcher war notwendig,
um die Legitimität der Pacht zu belegen und mußte jeweils
beim Grundherrn beantragt werden.
Johann Scherkamp, Nachkomme
des Otto Scharffkamp und Bruder des o.a. Hermann, erwarb besagten
„Brief“ im Jahre 1704, kurz nach der Hochzeit mit seiner Frau Anna
Catharina Wustkamp. Das Ehepaar nahm vermutlich den Familiennamen
der Frau an und hatte miteinander 7 Kinder – der Hof jedoch ging ca.
1720 an seinen Neffen Johann, ältester Sohn der Eheleute Hermann
und Elisabeth Scherkamp.
Dieser war nämlich
mittlerweile auf dem Hof mit seinen Geschwistern herangewachsen und
vom Kinde zum Manne geworden. Zugleich ging er seine erste Ehe ein,
aus der eine Tochter entsprang. Nach dem frühen Tod seiner Frau
heiratete er 10 Jahre später, im Jahre 1730, ein 2. Mal. Aus
dieser Ehe ging – zur großen Freude der Eltern - noch im selben
Jahr ein Sohn hervor: Johann Theodor, letzter gemeinsamer Vorfahre
und damit „Stammvater“ aller Scherkämper Deutschlands.
Bedauerlicherweise konnte
Johann sein Vaterglück nicht lange genießen, denn schon
wenige Jahre nach der Geburt des einzigen Sohnes ereilte ihn der Tod.
Nun übernahmen
seine Witwe Angela und deren 2. Mann, Johann Hegerfeld, im Jahre 1735
den Hof. Der kleine Johann Theodor indes hat seinen leiblichen Vater
nie bewußt kennengelernt und wuchs stattdessen im Kreise seines
Stiefvaters und seiner Stiefgeschwister auf. Alle waren stets füreinander
da und in der Familie herrschte ein Klima der Liebe und Geborgenheit.
Gern schaute Johann Theodor in seiner Kindheit vom Hof aus hinüber
zum nahegelegenen Schüngelberg.
Wenn des Morgens dort
die Sonne aufging und sich die ersten Strahlen den Weg durch die Atmosphäre
bahnten, fühlte er sich heimisch. Bei jeder Gelegenheit lief
er zum Berg hinüber und erkundete die Gegend oder spielte mit
seinen Geschwistern „Verstecken“.
Hier, wo Hof und Berg
quasi eine Einheit bildeten, fühlte er sich zuhause. Daher war
es kein Wunder, daß er den Hof zeitlebens nicht verließ,
um anderswo seßhaft zu werden. Somit schien es nur logisch und
konsequent, ihm auch eines Tages den Hof zu überlassen. Dieses
Vorhaben allerdings wurde zunächst dadurch zunichte gemacht,
daß seine Tante Gertrud (Schwester von Vater Johann) für
sich und ihren Mann Heinrich Holthauß im Jahre 1739 den Gewinnbrief
„erschlich“. Erst nach deren Ableben kam Johann Theodor zu seinem
Recht und behielt den Hof bis zu seinem eigenen Tode im Jahre 1791.
Es ist belegt, daß an seinem Todestag noch 9 Kinder lebten.
Darunter ein weibliches Zwillingspärchen sowie die Brüder
Johann Theodor (jun.), Johann Heinrich und Wilhelm. Diese 3 Brüder
sorgten dafür, daß der Name „Scherkamp“ bis in unsere Zeit
weitergegeben wurde!
Sodann wechselte das
Anwesen an den gemeinsamen Sohn Johann Theodor (jun.). Dieser war
„seines Vaters Sohn“, denn auch er galt als ausgesprochen bodenständig
und ist dem Scherkamps Hof niemals untreu geworden. In zwei Ehen sorgte
er für eine große Nachkommenschaft und auf dem Hof herrschte
reges Treiben – darunter wiederum ein weibliches Zwillingspärchen...und
der Sohn Theodor, der als Hoferbe die Stellung hielt und - ebenso
wie sein Vater – mindestens zwei mal verheiratet war.
Ganz der Tradition des
Vaters und des Großvaters folgend war auch ihm der Hof das einzige
Zuhause. In seine Regentschaft fiel zudem das wichtige Jahr 1850,
welches das Ende des Grundherrn, des „Hauses Horst“ bedeutete.
Von nun an war der Hof
in Privatbesitz und er ging Ende der 50er Jahre an den Sohn Johann
Bernard, Sprößling aus der 2. Ehe von Theodor. Wenige Jahre
später erfolgte eine Durchnummerierung aller in Hege befindlichen
Höfe als offizielle Postanschrift. „Unser“ Hof erhielt die Adresse
„Hege Nr. 13“.
Den Beruf des Landwirtes
konnte Johann Bernard nicht mehr richtig ausüben und so arbeitete
er (zeitweise) als Gastwirt. Diese Berufskombination hat sich offensichtlich
bewährt, denn sein Sohn Wilhelm wird ebenfalls mit beiden Berufsbezeichnungen
geführt.
Leider stand dem Hof
ein trauriges Ende bevor, denn es zeichnete sich gegen Ende des 19.
Jahrhunderts ab, daß er schon bald dem Kohleabbau würde
weichen müssen und abgerissen werden sollte. Von Südosten
her wurde die ganze Bauerschaft Hege regelrecht „aufgefressen“ und
unser Hof war eines der ersten Opfer.
Es erfolgte ein Umzug
der Familie nach „Hege Nr. 30“ - einem Wohnhaus an der neu geschaffenen
Essener Straße in Buer. Heute heißt sie Horster Straße
und das Haus führt die Hausnummer 162. Die Anschrift war bis
Anfang des 20. Jahrhunderts aktuell – dann siedelte Wilhelm Scherkamp
um in die „De-La-Chevallerie-Str. 28“ in Buer..
Der „Scherkampshof“,
seit Jahrhunderten Heim und Broterwerb unserer Vorfahren, wurde für
immer von der Landkarte getilgt. Der Bergbau indes ist seit dem Jahre
2000 eingestellt und es erinnern heute nur noch einzelne Straßennamen
an die früheren Höfe.
Nahe der „Rungenberghalde“,
dem früheren „Schüngelberg“, entstand eine Siedlung, wo
sich jene Menschen niederließen, die auf der Zeche Hugo ihr
Geld verdienten.
Seit über 100 Jahren
ist unser Hof nun schon Geschichte – doch von ihm träumen möchte
man jeden Tag. So betrachten wir das Foto und landen in Gedanken und
Träumen immer wieder am Anfang der Erzählung...
Wer gern einmal den
Ort aufsuchen möchte, wo unsere Vorfahren lebten, der begebe
sich nach Gelsenkirchen in die „Schüngelbergstraße“. An
deren Ende jenseits der Mauer und gegenüber des Straßenteils
zwischen „Wilhelm-Johow-Straße“ und „Holthauser Straße“,
begraben unter der „Rungenberghalde“, stand einst der stolze „Scherkampshof“.
Nahe der Mauer befanden sich der Hofraum samt Wohnhaus sowie (am Ende
der „Schüngelbergstraße) der Garten mit Scheune - dahinter
waren Acker und Holzlager.
Sehen Sie zum Abschluß
einen Lageplan unseres Hofes zu früheren Zeiten:
