Es war einmal, vor vielen Jahrhunderten, als es den Namen Scherkamp
noch nicht gab und unsere Vorfahren stattdessen Scharpenkamp hießen,
ein Bauernhof im heutigen Gelsenkirchener Stadtteil Buer. Dort
lag früher ein Bezirk, der sich „Bauerschaft Hege“ nannte
und wo mehrere Bauernhöfe standen. Diese Höfe wurden
gepachtet und bearbeitet.
Einen dieser Höfe, im äußersten
Südosten gelegen, bezogen unsere Vorfahren. Leider waren
wir niemals reich, und so mußte stets ein Notgroschen für
schlechte Zeiten zurückgelegt werden. Diese Rücklagen
wurden zum Glück selten angetastet und so ergab es sich,
daß sie immer weiter anwuchsen.
Was anfangs nur aus wenigen Münzen
bestand, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem beruhigenden
finanziellen Polster. Damit das Geld aber nicht unbewacht irgendwo
herumlag, hat man es von Generation zu Generation offiziell weitergegeben
und jeweils einem Familienmitglied übereignet, welches es
wiederum einem Nachkommen übergeben durfte.
Wenn dieser Nachkomme nicht auf
dem elterlichen Hof blieb, um dort zu arbeiten, sondern in benachbarte
Regionen auswanderte wie Karnap oder Bottrop – so blieb der Familienschatz
dennoch aus Tradition auf dem „Scherkampshof“ deponiert.
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts,
als der Abriß unseres Hofes bevorstand, weil in der „Bauerschaft
Hege“ der Bergbau begann, mußte man mit der Tradition brechen
und die Schatzkiste wanderte jeweils an der Seite des „Schatzmeisters“
zu neuen Orten.
So verließ vor über
100 Jahren die Schatzkiste zum ersten Mal den heimatlichen Boden
des Scherkamphofes und fand den Weg zum Bäckermeister Hermann
Scherkamp, der zu dieser Zeit mit seiner Familie in Bottrop –
Welheim lebte. Er durfte eine prächtige Metallschatulle sein
eigen nennen, die ganz in silber gehalten und mit zahlreichen
Verzierungen und Wappen geschmückt war.
Im Inneren fanden sich mehrere
hundert Goldtaler – schon zur damaligen Zeit eine unvorstellbare
Summe. Und der Bäckermeister hat es nicht versäumt,
das Geld weiter zu vermehren, bevor er den Titel des „Schatzmeisters“
kurz vor seinem Tode an den Sohn Johann übereignete.
Dessen Aufgabe bestand nun vor
allem darin, den Schatz heil und unversehrt durch die Wirrungen
des 2. Weltkrieges zu bringen und der Nachwelt zu erhalten. Dieses
Vorhaben wurde schon dadurch auf eine harte Probe gestellt, da
das Elternhaus im Krieg von Brandbomben getroffen und teilweise
zerstört wurde. Doch das Ansinnen gelang und Johann konnte
den Goldschatz weiter anwachsen lassen.
Viel zu früh ereilte ihn
im Jahre 1959 der Tod und der Familienrat unter Vorsitz seiner
Witwe kürte den Sohn Franz zum neuen „Schatzmeister“. Franz
war bereits verheiratet und wohnte mit seiner Frau in Rheinbreitbach
– einem kleinen Dorf am Rhein. So verließ der Familienschatz
das Ruhrgebiet und fand neue Heimat im Rheinland. Den 3 Generationen
Hermann – Johann – Franz gelang das Kunststück, den Wert
des Goldschatzes innerhalb von 100 Jahren zu verdoppeln. Hermann
übernahm ihn etwa im Jahre 1900 und Franz übertrug ihn
im Jahre 2003 auf seinen jüngsten Sohn Andreas.
Andreas hatte zwar keine Nachkommen
– aber dafür ein ausgeprägtes Traditionsbewußtsein.
So war es für ihn Ehrensache und Lebensaufgabe, die Schatzkiste
bis zu ihrem Rand zu füllen. Dies bedurfte einer besonderen
Anstrengung, denn ein Drittel der Kiste war noch frei. Doch die
Aussicht auf eine vollendete Weitergabe des Familienschatzes tat
ein Übriges.
Eines Tages schließlich
würde seine Nichte Stephanie den gesamten Schatz und damit
die Verantwortung übernehmen, doch zunächst musste sie
erst volljährig werden, um sich den Aufgaben und der Tradition
stellen zu können.
Aber noch war es ja nicht so
weit, denn Andreas mußte weiterhin fleißig Goldtaler
sparen. Und wenn er nicht gestorben ist, dann sammelt er heute
noch...